Olaf Lewitz

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Als Ball auf dem ScrumGathering

Written by Olaf Lewitz on 11/3/2009 11:29:00 AM

Ich darf mich kurz vorstellen: Ich bin ein Rugbyball. Was mache ich bei microTOOL? Nun, microTOOL nutzt Scrum in der Software-Entwicklung. Was nicht jeder weiß, der mit dieser Methode umgeht: Scrum (engl. für Gedränge) ist ein Begriff aus dem englischen Rugby-Sport. Vereinfacht ausgedrückt, beschreibt es eine Vorgehensweise zur Klärung der Frage, welche Mannschaft als nächstes den Ball bekommt, anders formuliert: eine kreative Team-Methode zur komplexen Lösung eines einfach scheinenden Problems: eben wie die Entwicklung von Software.

Rugbyball

Ich bin dabei der Ball, um den gespielt wird - und bei der Frage, mit welchen Mitteln das Marketing von microTOOL die Kollegen unterstützen kann, auf dem in München stattfindenden Scrum Gathering mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, kam die Idee auf mich. So reiste ich im Gepäck von Thomas Klingenberg und Olaf Lewitz in die bayerische Hauptstadt, um internationale agile Luft zu schnuppern und hoffentlich auch mal durch dieselbe zu fliegen.

Frisch aufgepumpt machte ich mich also in Olafs Händen am Montag morgen auf den Weg in das Konferenz-Hotel. Olaf hielt mich noch etwas unsicher in den Händen - sein letztes Rugbyspiel ist mehr als zwanzig Jahre her - und zog auf jeden Fall schon mal die Blicke auf sich. Tatsächlich kamen während der gesamten drei Tage immer wieder Leute auf ihn zu, um ihn auf mich anzusprechen. Die Marketing-Idee war also voll aufgegangen, was hoffentlich bedeutet, dass ich meinen Job bei microTOOL noch eine Weile behalte - doch ich greife vor.

Nach dem obligatorischen Begrüßungskaffee ging es in eine sogenannte Keynote - alle liefen auf einmal in einen großen Saal, wurden still und ich wurde auf den Boden gelegt. Ein Herr Sutherland hat etwas Wichtiges erzählt, aber ich habe von dort aus wenig davon mitbekommen.

Danach gab es wieder ein bisschen Bewegung, es ging in einzelne Sessions. Nick Clare von Nokia/Symbian in England erläuterte mit einem Berater, wie sie agile Entwicklung mit Scrum auf über 1000 Entwickler skalieren. Da fand ich wenig Beachtung, aber es entstanden interessante Diskussionen - leider konnten die Kollegen praktische Fragen kaum beantworten. Offensichtlich ist ihr Skalierungsmodell eher noch Theorie und Plan für die Zukunft.

Beim Mittagessen wurde ich wieder auf die Seite gelegt, aber danach hatte ich wieder Gelegenheit, Gespräche zu stiften. Leider ging es bald wieder in den großen Saal zur nächsten Keynote: Mike Cohn erzählte sehr lebendig über Selbstorganisation in Teams. Damit kenne ich mich als Rugbyball gut aus! Einige Dinge waren für meine Belange zu theoretisch, aber Mike hat lebendig erzählt und Olaf saß in der ersten Reihe, so dass ich auch vom Boden aus sehen konnte. Besonders gut gefallen hat mir eine Geschichte von einem Beinahe-Engagement, die Mike erzählt hat. Er bewarb sich als Consultant und hatte einen Gesprächstermin nachmittags gegen fünf. Man sagte ihm, der Chef sei gleich da, der sei um die Zeit immer auf dem Firmenparkplatz und zähle die Autos. Mike äußerte Freude, dass der Chef sich dafür engagiert, dass seine Mitarbeiter pünktlich nach Hause gehen. Leider war es wohl umgekehrt, und Mike hat sich dann gegen das Engagement entschieden.

Nachmittags gab es für mich ein identitätsstiftendes Ereignis: David Harvey hielt eine Session über Social Objects - und genau sowas bin ich! Und diese Session war auch viel lebendiger als die vorigen: nicht einfach nur sitzen, sondern herum laufen, Gruppen bilden, ins Gespräch kommen, das war nicht nur lehrreich sondern auch kurzweilig! Ein Social Object ist übrigens ein Objekt, über dem oder mittels dessen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Dilbert-Comics an den Bürowänden können beispielsweise auch Social Objects sein - allerdings besteht die Gefahr, durch solche Comics den Zynismus zu institutionalisieren. Dadurch werden die in den Comics angeprangerten Missstände nicht nur nicht behoben, sondern sogar noch gewürdigt... Über dieses Thema wird Olaf vielleicht noch einen eigenen Blogbeitrag schreiben.

David war es übrigens auch, der gemeinsam mit Mike Sutton auf die Idee kam, mich mit Unterschriften zu verzieren. Die beiden sind Engländer, David hat als Kind auch Rugby gespielt, und die beiden haben am Dienstag in einer Pause Olaf daran erinnert, wie man mich werfen muss, so dass ich in der Luft nicht wackle. Dann kamen sie auf die Idee mit den Unterschriften, und ab diesem Zeitpunkt hatte Olaf immer einen Edding dabei und sprach die Leute an: Have you signed my ball already?

Der Dienstag war insgesamt ein deutlich aufregenderer Tag, die Sessions waren von intensiverem Austausch und Bewegung geprägt. Morgens wurden Bilder gemalt - eine Technik von Deborah Preuss, die man gut in Retrospektiven einsetzen kann. Man malt mit mehreren Personen - einem Team typischerweise - gemeinsam ein Bild, welches anschließend gemeinsam besprochen wird. Die Idee dabei ist, ein Thema mehr mit der rechten Gehirnhälfte anzugehen - man malt ohne zu sprechen - und dadurch mehr Kreativität zu mobilisieren. Im folgenden Bild haben wir zu der Frage gemalt: Wie war dein erster Kontakt mit Scrum?

 

Nachmittags ging es kreativ weiter: diesmal ging es um die Gegenüberstellung mit unterschiedlichen Emotionen belegter Bilder in Haikus. Liz Keogh aus London hat mit uns ihren Haiku Workshop gemacht, und dabei sind wirklich nette Dinge herausgekommen. Zum Beispiel dieses Gedicht, was thematisiert, dass gleichzeitig im Plenum die Zukunft der ScrumAlliance diskutiert wurde:

Die Anderen

machen Politik

wir dichten.

Abschließen möchte ich meinen Konferenzbericht noch mit einem sportlichen Höhepunkt: Am Mittwoch wurde im Rahmen des Open Space Ball gespielt! Tobias Mayer hat uns in der Mittagspause angestiftet auf dem Hof des Hotels herumzurennen... aber das schönste war ein Ballspiel, in dem es darum ging, vier Bälle (eigentlich waren es Orangen) durch 15 Hände zu passen. Durch immer genauere Zielvorgaben, kontinuierliches Drängeln und natürlich kreative Lösungsansätze hat Olaf's Team seine Zeit von 20s auf 1,6s verbessert - und damit sicher einen neuen Rekord im 4-Orangen-durch-15-Hände-reichen aufgestellt. Zum Beweis und zum Abschluss noch ein Foto mit dem Highscore, den Orangen, nicht zuletzt mit mir und natürlich von den Helden signiert:

 

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hhgttg.de , Website: http://hhgttg.de/blog/2011/05/21/ale-network—whats-in-it-for-me/

21.05.2011 18:46

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