Ein Smartboard ist ein elektronisches Whiteboard, auf dem man mit einem Stift als Mausersatz Anwendungen bedienen oder einfach zeichnen und schreiben kann. Also ähnlich wie auf einem Touch-Screen, nur größer und an der Wand. Der Vorteil ist die direkte Interaktion mit dem Computer und dass alles Gezeichnete und Geschriebene gespeichert und bei Bedarf weiterverarbeitet werden kann.
Fertige Smartboards gibt es natürlich zu kaufen, aber das ist ja zu einfach. Beim Stöbern im Internet bin ich kürzlich auf eine spannende Anleitung zum Selbstbau eines Smartboards gestoßen und das musste ich dann umgehend ausprobieren! Das Interessante an der Umsetzung dieses Smartboards war, das es im Wesentlichen aus einer Wii Fernbedienung besteht!
Ich weiß nicht, ob Sie eine Nintendo Wii haben. Das ist eine Spielekonsole, die die Spieler physisch agieren lässt und damit viel stärker einbindet, als frühere Spielekonsolen dies konnten. So kann fast wie in der Wirklichkeit ein Tennisschläger geschwungen oder eine Angel gehalten werden. Meine Kinder sind von dem Gerät regelmäßig nur mit großen Schwierigkeiten wieder weg zu bekommen. Es gibt eine ganze Vielzahl lustiger Spiele, meine Favoriten sind übrigens Super Mario Galaxy I+II ;-)
Technisch basiert die WII Fernbedienung, die jeder Spieler in der Hand hält, auf einem ausgeklügelten Mix an Sensoren: Lage- und Beschleunigungssensoren messen die Bewegung, eine Infrarotkamera ermittelt die Zielrichtung auf den Bildschirm an dessen Rand dazu passende Infrarotsender angebracht werden. Die Kommunikation der Fernbedienung mit der Konsole erfolgt über Bluetooth.
Und genau diese ausgefeilte Technik kann man sich zu Nutze machen, um mit der WII Fernbedienung auch noch ganz andere Dinge zu tun: wie eben ein Smartboard zu bauen.
Der folgende Film zeigt, wie sich unser neues in-Step Taskboard, das wir gerade mit in-Step 4.7 für alle Scrum-Anwender veröffentlicht haben, direkt an der Wand bedienen lässt.
No Flash?
To watch this video, you need a Flash player. You can download Flash player at Adobe: <a href="http://www.adobe.com/go/EN_US-H-GET-FLASH">Install Adobe Flash Player</a>.
Interessiert es Sie, wie das funktioniert? Vielleicht möchten Sie es ja auch selbst nachbauen. Es ist eigentlich recht einfach!
Für das Smartboard wird das Funktionsprinzip der Spielekonsole umgedreht. Dort ist der Infrarotsender stationär und die Fernbedienung wird bewegt. Für das Smartboard wird nun die Fernbedienung fest montiert und wir bewegen den Sender – eben im Stift, mit dem wir das Smartboard bedienen. Für die Datenübertragung wird die WII Fernbedienung via Bluetooth mit einem Computer verbunden. Eine Software übernimmt die Funktion des Maustreibers und setzt das Signal der WII in die Mausposition um. Die Idee zu dieser Konstruktion stammt von Johnny Chung Lee, einem Mitarbeiter von Microsoft Applied Sciences in Redmond.

Bild 1 zeigt den schematischen Aufbau der Konstruktion. Es stammt aus einem Artikel der FH St. Pölten. Sie finden dort auch eine kostenlose Software für die Steuerung.
Für den gesamten Aufbau benötigt man also
- Eine WII Fernbedienung
- Eine passende Halterung
- Einen Beamer
- Einen Stift mit Infrarotsender
- Einen Computer mit der Software zur Steuerung
Einen Besprechungsraum samt Beamer hatte microTOOL natürlich, die WII Fernbedienung habe ich mir bei meinen Kindern ausgeliehen. Als Halterung habe ich ein Stativ mit Mikrofonhalterung genutzt, für die WII Fernbedienung habe ich dazu aus Styropor noch einen „Adapter“ geschnitzt.
Als Software habe ich mich für „Smoothboard“ entschieden, das via Internet für ca. 25 Euro zu erhalten ist.
Als „Sender“ kann man im Prinzip jede Infrarotfernbedienung benutzen. Eleganter und praktischer ist natürlich etwas in Stiftform. Zwar lassen sich auch dafür Selbstbauanleitungen im Internet finden, wonach man einen IR-Diode, eine Batterie und einen Taster in ein Stiftgehäause einsetzen muss. Das habe ich mir allerdings erspart und einfach einen fertigen IR-Stift bei Ebay bestellt, der unter 10 Euro gekostet hat.

Bild 2 zeigt die verwendeten Einzelteile vor der Montage und Bild 3 dann das fertige Ergebnis.

Die WII Fernbedienung konnte über Bluetooth problemlos als Gerät erkannt werden. Das „Koppeln“ geschieht dann durch eine Funktion der Software und Druck auf den roten Knopf im Batteriefach. Das hat erfreulicherweise alles auf Anhieb funktioniert!
Fazit: Für deutlich unter 100 Euro kann man auf diese Art eine gut funktionierende Smartboard-Lösung erstellen und hat nebenbei noch einigen Spaß beim Basteln.
Hier sind nochmal einige Links zum Thema: