Olaf Lewitz

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StrategicPlay® - System-Verständnis spielerisch greifbar machen

Written by Olaf Lewitz on 12/22/2009 1:05:00 PM

Baut einen Turm, möglichst höher als die anderen! Jetzt einen Raptor, streng nach Anleitung. Und nun, nachdem Ihr warmgeworden seid: Modelliert Eure größte Herausforderung für 2010!

Warum fangen erwachsene Leute auf einmal an, mit LEGO® zu bauen – während der Arbeitszeit? Fangen wir mal ganz groß an...

Systeme – komplex, adaptiv, schwer zu begreifen?

Komplexe adaptive Systeme üben auf das menschliche Verständnis einen gewissen Reiz aus. Die Welt, das Klima, ein Bienenschwarm, ein Software-System... Sie zu verstehen, ist eine intellektuelle Herausforderung. Ich kann ihnen nicht entkommen – die meisten Projekte, mit denen ich zu tun habe, entwickeln komplexe adaptive (Software-) Systeme für komplexe adaptive (Organisations-) Systeme. Puh.

Um sie zu beherrschen, muss man sie begreifen. Und wie ich Ihnen das ganz einfach mache, habe ich gerade gelernt: Ich bin jetzt StrategicPlay® Facilitator.

Haben Sie schon mal Kinder beim Spielen beobachtet? Sie sind dauerhaft zu 100% konzentriert. Wann ist Ihnen das im beruflichen Alltag zuletzt gelungen? Ich glaube, hundertprozentige Aufmerksamkeit kann man nur beim Spielen länger aufrecht erhalten. Kinder lernen beim Spielen. Sie erschließen sich die Welt – und die Welt ist (möglicherweise neben der Ehe) wohl das komplexeste adaptive System, mit dem wir in unserem Leben zu tun haben. StrategicPlay® eröffnet einen ungewöhnlichen, aber auch ungewöhnlich einleuchtenden Weg: Wir begreifen die Komplexität spielerisch.

Begreifen ist hier wörtlich gemeint: StrategicPlay® ist eine Methode, um mit LEGO®-Bausteinen Systeme zu modellieren und dabei im Team ein Verständnis ihrer Bestandteile und Zusammenhänge zu erlangen. Damit dieses Verständnis tatsächlich zu neuen Erkenntnissen und Handlungsmöglichkeiten führt, wird durch diese Methode das gesamte kreative Potential der beteiligten Gruppe einbezogen. Wenn Sie sich näher für das Thema Spiel und aktuelle Forschungen zu dem Thema „Play is more than Fun“ interessieren, empfehle ich den hervorragenden Vortrag von Stuart Brown vom National Institute for Play auf TED.

Dieses Modell zum Beispiel zeigt einen risikobewussten Kunden. Er schaut cool und entspannt in die Zukunft, doch gleich einem Damoklesschwert gibt es diesen Balken, der ihn bedroht. Der für ihn interessanteste Platz ist genau da, wo es gefährlich ist – denn mit den Risiken sind auch Chancen für sein Unternehmen verbunden.

StrategicPlay® ist eine Methode und Marke der Hoffmann Consulting GmbH aus Hamburg. Katrin Elster und Jens Hoffmann haben StrategicPlay® in den letzten Jahren entwickelt und bauen jetzt eine Community von Anwendern auf. Dadurch soll die Methode einem größeren Personenkreis zugänglich gemacht und der Austausch unter den Anwendern verstärkt werden.

Ablauf eines StrategicPlay®-Workshops

Doch wie läuft ein StrategicPlay®-Workshop nun eigentlich ab? Zunächst beginnt man mit einem Warm-up, bestehend aus den drei zu Beginn des Artikels genannten Aufgaben. Jede Workshop-Teilnehmerin baut zunächst für sich, kann sich mit dem Medium LEGO® (wieder) vertraut machen. Vor allem das Bauen eines einfachen Modells nach Anleitung ist wichtig, um allen Teilnehmern Sicherheit zu vermitteln. Das dritte Modell („Ihre Herausforderung im nächsten Jahr“) hat eine deutliche persönliche und emotionale Komponente und führt die Teilnehmer in die Technik des Storytelling ein, die neben dem Gestalten von greifbaren Metaphern das wesentliche methodische Element von StrategicPlay® darstellt. Jeder Teilnehmer stellt sein Modell vor, erzählt, wie er es gebaut hat, warum gerade so und was er damit ausdrücken wollte.

Anschließend beginnt die Arbeit am eigentlichen Thema, die Gestaltung des Systemmodells. Wir haben eine StrategicPlay®-Community modelliert – also unsere Gemeinschaft von Facilitators, in der wir künftig unsere Erfahrungen mit dieser Methode in unseren Firmen und bei unseren Kunden austauschen wollen. Jede baut zunächst ihr eigenes Modell – wie bei allen Aufgaben gibt der Facilitator ein klares, kurzes Zeitfenster vor, z.B. 10 Minuten. Dabei soll jede die ihr wichtigsten Eigenschaften des Systems bauen und darstellen. Anschließend werden diese Modelle der Gruppe vorgestellt. Hierbei ist es wichtig, dass jede Teilnehmerin mit baut – keiner aus der Gruppe darf sich ausnehmen – und dass jeder nur an seinem Modell baut. Auch bei der Vorstellung des individuellen Modells kommt jeder zu Wort – dabei wird zunächst nicht kritisiert, aber hinterfragt. Das wird schnell sehr lebendig: „Was wolltest du damit ausdrücken?“ „Warum hast du das so dargestellt?“

Bau eines gemeinsamen Systemmodells

Im folgenden, deutlich längeren Teil des Workshops integrieren die Teilnehmer ihre individuellen Modelle zu einem gemeinsamen Modell. Das kann je nach Thema und Teilnehmern eine Weile dauern, da mit dem gemeinsamen Modell jeder einverstanden sein soll und sich auch hier wieder alle beteiligen müssen. Konkret müssen die verschiedenen Metaphern aus den individuellen Modellen zusammengeführt werden. Das kann einfach sein, wenn sich für ein bestimmtes Element („Unsere Kunden“) alle auf eines der Modelle einigen können. Es wird schwieriger, wenn erst ein gemeinsames Verständnis diskutiert und geschaffen werden muss. Unser gemeinsames Modell hat 90 Minuten Erstellungszeit gekostet und sah dann so aus:

Wesentliches Element ist die Gruppe von Figuren in der Mitte, die eigentliche Community – also die Facilitators, die bei ihren Kunden mit der Methode arbeiten. Manche von diesen sind gerade beim Kunden: Das orange Konstrukt vorne links steht für ein elaboriertes Kundenprojekt, der Berater ist mit der Community über eine Schnur verbunden. Das Glashaus rechts bietet Schutz, ist aber gleichzeitig offen und oben mit allen Möglichkeiten moderner Kommunikation versehen. Auf der hinteren Platte sieht man kommende Kunden. Manche haben leichtes, andere schweres Gepäck (Traktor vs. Roller), aber alle bringen Ihre Sorgen (Gespenster) mit.

Externe Agenten

Nun beginnt der dynamische Teil: Die äußeren Einflüsse auf das System werden wieder individuell modelliert und als sogenannte Externe Agenten dargestellt. Diese werden um das Systemmodell gruppiert: direkte Einflüsse näher, schwächere weiter weg. Im nächsten Bild sieht man zum Beispiel unser Modell für den Staat (hinten links, das Männchen mit Zylinder auf dem Turm mit sich verbeugenden Figuren davor), unseren Wettbewerb (davor, mit dem Netz), die Banken (hinten mitte), die Umwelt (rechts) und unbekannte Einflüsse (vorne rechts).

Auch besondere Aspekte und Herausforderungen kann man als externe Agenten herausarbeiten. Dies ist zum Beispiel die Gewohnheit mancher Firmen, einen Command&Control-Management-Stil zu pflegen, der dem kreativen Ansatz von StrategicPlay® möglicherweise zuwiderläuft.

Ein weiteres schönes Detail:

Die externen Agenten werden mit Fäden, Ketten, Schläuchen und ähnlichen Mitteln mit Teilen des Systems verbunden, so dass sich hinterher ein komplettes Bild sämtlicher Systemteile, einflussnehmender externer Agenten und deren Beziehungen ergibt. So sah unser Modell am Ende des Tages aus:

Das Undenkbare Denken

Mit diesem vollständigen Modell aller Teambeteiligten kann man nun beginnen, Szenarien durchzuspielen. Ich möchte nicht noch mehr ausschweifen, aber hier liegt die wesentliche Stärke dieser Methode. Völlig risikofrei können die Beteiligten Ereignisse oder Katastrophen durchspielen: Was ist, wenn LEGO® uns kauft? Was ist passiert, damit es so weit kam? Wie gehen wir damit um? Auch vergangene Ereignisse lassen sich analysieren, und dadurch, dass mit Metaphern gearbeitet wird („das Modellteil hat was falsch gemacht“ vs. „ihr habt was falsch gemacht“), ist das ganze deutlich spielerischer und entspannter als in einem klassischen Meeting.

Ziele visuell formulieren

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit von StrategicPlay® ist die Definition von Zielen, Werten, Regeln mit greifbaren Bildern:

Vorstellung von einem idealen PM-Tool

Zur abschließenden Übung und zur Erfolgskontrolle hat jeder Teilnehmer für einen der anderen einen Dienstleister gespielt, um dessen Anwendungsfall für StrategicPlay® durchzuspielen. Angebotsklärung, Workshopkonzept und -plan wurden von jedem erstellt. Ich habe mir als Kunde einen Workshop gewünscht, in dem Kunden ihre Erwartungshaltung an ein Projektmanagement-Tool formulieren und wir gemeinsam mit ihnen eine Lösung als Modell aufbauen. Eine der Teilnehmerinnen modellierte so ihr ideales Tool:

Der Kunde sieht alles in seiner Kristallkugel, um die wesentliche Entscheidung zwischen Blume (Zuckerbrot) und Peitsche zu treffen. Das bringt es auf den Punkt!

Comments

Peter

18.05.2010 01:40

Für einen Spielenachmittag mit Verlängerung sind 1800 Euronen und mehr verdammt nochmal zuviel Geld. Wer garantiert mir denn einen Erfolg?

Jens Hoffmann , Website: http://www.hoffmannconsulting.de/

19.05.2010 18:06

@peter: Worauf bezieht sich Deine Aussage? Auf das StrategicPlay Training oder einen StrategicPlay Workshop?

StrategicPlay geht davon aus, dass die Umsetzung einer Problemlösung engagierter und zielgerichteter erfolgt, wenn diejenigen, die sie umsetzen auch an der Erarbeitung der Lösung beteiligt sind. Dadurch übernehmen die Teilnehmer die Verantwortung für das Ergebnis und auch für die Umsetzung. Das Konzept und die Moderation schaffen "nur" die Voraussetzungen bzw. die Plattform für einen Erfolg, die Teilnehmer bestimmen die Tiefe der Diskussion und die Wirksamkeit der Ergebnisse. Der Garant für den Erfolg ist die Gruppe und jeder einzelne Teilnehmer. Das ist das Prinzip Selbstverantwortung.

Viele große Firmen nutzen wiederholt das StrategicPlay Konzept, um agil Strategien zu entwickeln oder die Zusammenarbeit im Team zu optimieren. Das würden sie nicht wiederholt tun, wenn sie der Meinung wären. es lohne sich nicht.

Das Facilitator Training schafft das theoretische und praktische Fundament, um StrategicPlay Workshops erfolgreich zu moderieren und selber auf konkrete Fragestellungen hin Workshops zu konzipieren. Hierfür kann man eine Erfolggarantie abgeben.

hhgttg.de , Website: http://hhgttg.de/blog/2011/06/25/katrin-cuxdu-elster-awesome-facilitator/

25.06.2011 13:28

Pingback from hhgttg.de

Katrin @Cuxdu Elster, Awesome Facilitator «  OlafLewitz

Stefan Hagen , Website: http://pm-blog.com/

30.08.2011 21:43

@Peter: Der Preis ist absolut angemessen. Das Training ist super organisiert, man lernt alles, um die Methode im Anschluss professionell mit Teams, Kunden etc. anzuwenden.

Ich kann das StrategicPlay® Training nur empfehlen.

LG, Stefan

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