Klassisches Projektmanagement ist ein planorientierter Ansatz, bei dem ein Projekt in fest definierte, nacheinander ablaufende Phasen unterteilt wird. Jede Phase schließt mit einem definierten Ergebnis (Meilenstein) ab. Ein Wechsel zur nächsten Phase erfolgt erst nach Erreichen eines Meilensteins. Die wichtigsten Vertreter sind das Wasserfallmodell, das für den Fluss von Aktivitäten steht, und das V-Modell, das jede Entwicklungsphase mit einem passenden Prüfschritt absichert.
Grundlegende Struktur im klassischen Projektmanagement
Im klassischen Projektmanagement wird die Komplexität eines Vorhabens bewältigt, indem der gesamte Projektlebenszyklus in überschaubare, zeitlich abgegrenzte Abschnitte unterteilt wird. Jede dieser Phasen hat einen spezifischen fachlichen Fokus und bildet das Fundament für den nächsten Schritt.
Jede Phase endet mit einem sogenannten Meilenstein. Sie fungieren als „Qualitäts-Gates“: Ein Projekt kann die nächste Stufe erst betreten, wenn die Ergebnisse der vorherigen Phase vollständig vorliegen und formal abgenommen wurden. Dies verhindert, dass Planungsfehler oder unklare Anforderungen unbemerkt in die Realisierung mitgeschleppt werden.
Das Besondere: Klassisches Management ist planorientiert. Das bedeutet, dass zu Beginn ein hoher Aufwand in die Analyse und Konzeption fließt, um spätere Änderungen – die in diesem Modell teuer und schwierig sind – zu vermeiden.
Vorteile & Einsatz des klassischen Projektmanagements
Warum klassisch? Basierend auf den Grundlagen aus Projektmanagement spielt das klassische Projektmanagement seine Stärken aus, wenn:
- die Anforderungen stabil und zu 100% bekannt sind
- Festpreisangebote oder starre Deadlines vorliegen (Magisches Dreieck)
- hohe regulatorische Anforderungen an die Dokumentation bestehen
Ein spezieller Vertreter des Phasenmodells im klassischen Projektmanagement: Das Wasserfallmodell
Das Wasserfallmodell ist die bekannteste und reinste Form der Umsetzung eines Phasenmodells. Während das zuvor beschriebene Phasenmodell den organisatorischen Rahmen vorgibt, liefert das Wasserfallmodell die strikte Handlungsanweisung für den Arbeitsfluss: Es betrachtet den Projektverlauf als einen stetigen, nach unten gerichteten Strom.
In der Beziehung zum allgemeinen Phasenmodell fungiert das Wasserfallmodell als dessen methodisches Regelwerk. Es verschärft die Logik der „Qualitäts-Gates“, indem es eine strikte Einbahnstraßen-Regelung etabliert. Ein Rücksprung in eine vorherige Stufe ist im reinen Wasserfallmodell nicht vorgesehen. Das bedeutet: Erst wenn die Ergebnisse der Analyse (aus der Definitionsphase) zu 100 % fixiert sind, „fällt“ das Projekt in das Design (die Planungsphase). Diese enge Verzahnung sorgt für eine extrem hohe Disziplin in der Dokumentation, erfordert aber auch eine fehlerfreie Vorarbeit in jeder einzelnen Stufe.
Gegenüberstellung: Phasen des allgemeinen Phasenmodells und Stufen des Wasserfalls
Während Abbildung 1 die organisatorische Draufsicht auf den Projektverlauf zeigt, erfordert die praktische Umsetzung – insbesondere in qualitätskritischen Bereichen – eine feinere Unterscheidung. In der folgenden Übersicht wird die Phase der Verifizierung (das Testen) bewusst separat aufgeführt.
| Wasserfall-Stufe | Kernaktivitäten & Artefakte | Meilenstein (Ergebnis) | |
|---|---|---|---|
| 1. Initialisierung | Vorbereitung | Projektidee, Machbarkeitsprüfung, Stakeholder-Analyse | Projektfreigabe (Auftrag erteilt) |
| 2. Definition | Analyse | Erhebung der Anforderungen, Ziele festlegen. Artefakt: Lastenheft | Lastenheft abgenommen |
| 3. Planung | Design | Erstellung der Systemarchitektur, Zeitplanung (Gantt), Ressourcen. Artefakt: Pflichtenheft | Projektplan finalisiert (Baseline) |
| 4. Realisierung | Implementierung | Fachliche Umsetzung, Programmierung oder Bau. Laufendes Controlling | Produkt bereit zur Abnahme |
| 5. Verifizierung | Test | Durchführung von Komponenten-, System- und Abnahmetests. Artefakt: Testprotokoll | Abnahme unterzeichnet |
| 6. Abschluss | Betrieb / Wartung | Übergabe in den Betrieb, Nachkalkulation. Artefakt: Lessons Learned | Projektabschlussbericht |
Charakteristika des Wasserfallmodells:
- Strikte Trennung der Phasen durch Meilensteine
- Hoher Dokumentationsaufwand zu Beginn (Lastenheft/Pflichtenheft)
- Ideal für Projekte mit stabilen Anforderungen und geringer Komplexität.
Der größte Nachteil des Wasserfallmodells:
Das ist die späte Sichtbarkeit von Fehlern. Da Tests erst am Ende der Kette stehen, werden Designfehler oft erst sehr spät entdeckt, was die Korrekturkosten erhöht.
Erweiterung des Wasserfallmodells: Das V-Modell
Dieser Nachteil führte zur konsequenten Weiterentwicklung des Wasserfall-Ansatzes zum V-Modell. Während der Wasserfall lediglich den Fluss der Aktivitäten beschreibt, rückt das V-Modell die Qualitätssicherung in den Fokus des Projektmanagements. Das Modell „klappt“ den linearen Prozess in der Mitte zusammen, wodurch eine charakteristische V-Form entsteht.
Die Logik der zwei Schenkel:
Das V-Modell teilt das Projekt in zwei korrespondierende Seiten, die untrennbar miteinander verbunden sind:
1. Der linke Schenkel (Spezifikation): Hier erfolgt der Weg vom Groben zum Feinen. In Phasen wie der Anforderungsdefinition, dem Systemdesign und der Softwarearchitektur wird festgelegt, was das System leisten soll und wie es aufgebaut ist.
2. Der rechte Schenkel (Verifikation & Validierung): Anstatt erst am Projektende zu testen, wird das Produkt hier schrittweise von unten nach oben gegen die Spezifikationen der linken Seite geprüft. Jede Ebene der Planung findet auf der rechten Seite ihr direktes Prüf-Gegenstück:
- Komponententests: Prüfen die kleinsten Bausteine gegen das technische Detaildesign.
- Integrationstests: Verifizieren das Zusammenspiel der Komponenten gegen die Systemarchitektur.
- Systemtests: Überprüfen das Gesamtsystem gegen die funktionalen Anforderungen.
- Abnahmetests (Validierung): Hier schließt sich der Kreis auf der obersten Ebene. Es wird final geprüft, ob das System die ursprünglichen Erwartungen des Nutzers erfüllt: „Haben wir das richtige System für den Kunden gebaut?“
Warum das V-Modell Risiken minimiert
Der entscheidende Vorteil dieses Modells ist die frühe Testplanung. Während die Anforderungen auf der linken Seite definiert werden, entstehen bereits auf der rechten Seite die dazu passenden Testkonzepte. So wird verhindert, dass logische Lücken in der Planung erst kurz vor der Auslieferung entdeckt werden – ein Zeitpunkt, an dem Korrekturen extrem teuer und zeitaufwendig wären.
Der deutsche Standard: V-Modell XT
Das in Deutschland etablierte V-Modell XT ist die konsequente Weiterentwicklung für komplexe IT-Projekte. Das „XT“ steht für „Extreme Tailoring“. Im Gegensatz zu starren Modellen erlaubt das V-Modell XT eine präzise Anpassung (Tailoring) an die spezifische Projektgröße und -art. Dadurch wird das V-Modell XT auch für mittelständische Projekte handhabbar, ohne an Revisionssicherheit einzubüßen.
Starrheit und mangelnde Übersicht
Klassische Projekte scheitern oft an der mangelnden Transparenz über den kritischen Pfad oder an veralteten Plänen, die manuell in Excel gepflegt werden. Ein „Schleichen“ der Termine wird oft zu spät erkannt.
Planungs-Starrheit
In klassischen Projekten führt eine verspätete Änderung am Lastenheft oft zu massiven Budgetüberschreitungen, da die Abhängigkeiten im Gantt-Chart manuell kaum beherrschbar sind.
Automatisierte Planung
Mit objectiF RPM oder in-STEP BLUE (speziell für V-Modell XT) bilden Sie den gesamten Projektlebenszyklus ab. Artefakte wie Lastenhefte und Testberichte entstehen direkt aus dem Prozess.
Konforme Steuerung
Mit in-STEP BLUE setzen Sie Standards wie das V-Modell XT out-of-the-box um. Das Tool generiert Artefakte automatisch und stellt sicher, dass alle Meilensteine erreicht werden.
Integrierte Compliance
Besonders bei V-Modell XT Projekten unterstützt Sie in-STEP BLUE durch vorgefertigte Vorlagen und Workflows, die sicherstellen, dass alle regulatorischen Anforderungen ohne Mehraufwand erfüllt werden.
Häufige Fragen
Ist klassisches Projektmanagement veraltet?
Nein. In Branchen mit hohen Sicherheitsstandards (Automotive, Medizintechnik) ist es aufgrund der klaren Verantwortlichkeiten und der lückenlosen Dokumentation oft unverzichtbar.
Was ist der größte Vorteil des V-Modells gegenüber dem Wasserfall?
Die frühe Planung von Tests. Im V-Modell wird schon während des Designs definiert, wie später getestet wird, was die Fehlerkosten im Vergleich zum reinen Wasserfall massiv senkt.
Wann sollte ich klassisches statt agiles Projektmanagement wählen?
Wählen Sie klassische Methoden, wenn die Anforderungen von Beginn an klar definiert sind, regulatorische Vorgaben hohe Dokumentationsstandards fordern oder das Budget fixiert ist (Magisches Dreieck).
Kann man klassisches PM mit agilen Elementen mischen?
Ja, dies nennt man Hybrides Projektmanagement. Dabei wird oft die grobe Phasenplanung klassisch (Wasserfall) und die Umsetzung in den Teams agil (Scrum) gestaltet.
Unterstützt objectiF RPM auch klassische Phasen?
Ja. Während in-STEP BLUE der Spezialist für V-Modell XT ist, ermöglicht objectiF RPM hybride Ansätze, bei denen klassische Meilensteine mit agilen Sprints kombiniert werden.
Mehr Wissen
Entdecken Sie weitere Wissensbeiträge online oder laden Sie unsere Whitepaper herunter.




