Testmanagement umfasst die Planung, Steuerung, Durchführung und Überwachung aller Testaktivitäten in der Softwareentwicklung. Es ist keine reine Abschlusskontrolle, sondern ein begleitender Prozess, der sicherstellt, dass die definierten Anforderungen (Requirements) korrekt umgesetzt wurden. Gutes Testmanagement beginnt bereits bei der Anforderungsanalyse, um Fehlerkosten frühzeitig zu minimieren („Shift Left“).
Testen beginnt beim Requirements Engineering
Ein häufiger Irrtum ist, dass Testen erst beginnt, wenn der Code geschrieben ist. Tatsächlich gilt:
Eine Anforderung, die nicht testbar ist, ist unvollständig.
Im modernen Testmanagement werden Testfälle häufig bereits vor Beginn der Entwicklung aus den Anforderungen abgeleitet. Dies erfordert eine präzise Formulierung. Wenn ein Requirement („Das System soll schnell sein.“) keinen klaren Akzeptanztest („Ladezeit < 2 Sekunden.“) zulässt, muss es konkretisiert werden.
Der Kernprozess: Vom Testfall zur Testset-Ausführung
Um Testmanagement operativ zu verstehen, müssen folgende Begriffe unterschieden werden:
1. Der Testfall
Eine abstrakte Beschreibung dafür, was geprüft wird (z. B. „Login mit falschem Passwort“). Dieser Testfall ist wiederverwendbar.
2. Das Testset
Ein Testfall allein prüft noch nichts. Für die Planung der Testdurchführung werden Testfälle zu einem Testset gebündelt (z. B. „Regressionstest V 2.0“ oder „Smoke-Test Sprint 5“).
3. Die Testset-Ausführung
Dies ist der konkrete Durchlauf zu einem bestimmten Zeitpunkt. Hier wird dokumentiert, ob der Testfall im aktuellen Build „Passed“ (Bestanden) oder „Failed“ (Fehlgeschlagen) ist. Ein und derselbe Testfall kann in Testset A erfolgreich sein, in Testset B (zwei Wochen später) aber fehlschlagen.
Manuelles vs. automatisiertes Testmanagement
Testmanagement koordiniert beides:
- Manuelle Tests: Wichtig für Usability und komplexe Szenarien (Exploratives Testen)
- Automatisierte Tests: Wichtig für schnelle Regressionstests bei Continuos Integration/Continuos Delivery bzw. Continous Deployment) (CI/CD)
Ein gutes Management-Tool führt die Ergebnisse aus beiden Welten in einem zentralen Reporting zusammen, sodass Sie den Gesamt-Qualitätsstatus auf einen Blick haben, unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Skript getestet hat.
Apropos Tools: Warum separate Tools für Anforderungen und Tests nutzen, wenn beides so eng wie beschrieben zusammengehört?
objectiF RPM verbindet Requirements Engineering nahtlos mit der Qualitätssicherung.
- Requirements
Testfälle: Testfälle leiten Sie direkt aus Anforderungen/User Stories im Backlog ab. Die Traceability wird dabei automatisch sichergestellt. - Planung & Durchführung mit Testsets: Sie können Testsets definieren, indem Sie Testfälle aus Backlogs oder vorherigen Testset-Ausführungen kombinieren. Sie steuern zentral, wer wann welche Tests durchführt. Passend konfigurierte Dashboards zeigen Ihnen den Fortschritt beim Testen. Werden beim Testen Fehler erkannt, können direkt Bugs abgeleitet werden. Da alles in einem zentralen Repository liegt, sehen Entwickler nicht nur die Fehler, sondern haben über die Traceability auch direkten Zugriff auf die zugrunde liegenden Anforderungen.
- Workflow-Automatisierung & Zustandsautomaten: Der größte Hebel für die Effizienz liegt in den integrierten Workflows. Als Grundlage dafür definieren Sie in objectiF RPM das Zusammenspiel der Zustandsautomaten von Testfall, Tests und Testset-Ausführungen passend zu Ihren Abläufen.
Traceability ohne Zusatzaufwand
Mit objectiF RPM verbinden Sie Requirements Engineering, Testmanagement und Fehlerverfolgung in einem zentralen System. So behalten Sie jederzeit den Überblick über Qualität und Fortschritt.
Häufige Fragen
Was passiert bei einer fehlgeschlagenen Testset-Ausführung?
Wenn ein Test im Testset fehlschlägt, wird dies protokolliert und meist ein Fehler (Bug/Defect) erstellt. Das Testset gilt oft erst als „abgeschlossen“, wenn alle kritischen Fehler behoben sind oder ein Nachtest erfolgreich war.
Wann ist das Testen beendet? (Exit-Kriterien)
Das Testen endet nie „zufällig“, sondern wenn definierte Exit-Kriterien erfüllt sind. Beispiele: 100 % aller kritischen Testfälle bestanden, Keine offenen High-Priority-Bugs oder Code-Coverage > 80 %. Das Testmanagement überwacht diese Metriken kontinuierlich.
Lohnt sich Testmanagement auch in agilen Projekten?
Absolut. In Scrum z.B. sind die Akzeptanzkriterien einer User Story im Grunde nichts anderes als Testfälle. Ein Tool hilft, den Überblick über die wachsende Menge an Regressionstests zu behalten.
Ersetzt exploratives Testen das klassische Testmanagement?
Nein, es ergänzt es. Beim explorativen Testen sucht der Testende intuitiv nach Fehlern, ohne starres Skript. Doch auch diese Ergebnisse müssen dokumentiert werden (z. B. als „Session-Based Testing“), damit gefundene Bugs reproduzierbar sind und in den offiziellen Defect-Workflow einfließen.
Wie hilft Testmanagement bei Audits (Nachweispflicht)?
In regulierten Branchen (Automotive, Medizintechnik) ist die lückenlose Traceability Pflicht. Mit Tool-Unterstützung kann nachgewiesen werden: Anforderung X wurde durch Testfall Y im Testset Z am Datum D erfolgreich geprüft. Ohne Tool ist dieser Nachweis kaum zu erbringen.
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