Die Last mit dem Lastenheft

von | 19.03.2018 | Requirements Engineering | 0 Kommentare

Wer auch immer diesen Namen erfunden hat [1]: Die beste Wahl war es womöglich nicht. Denn es hört sich schwer an, nach viel Aufwand. Die Last mit dem Lastenheft kann belasten. Das hängt zum einen daran, dass nicht ganz Einigkeit darüber herrscht, was überhaupt in ein Lastenheft gehört. Je nach Branche und Literatur finden Sie verschiedene Vorschläge. Zum anderen kann die Erstellung tatsächlich erheblichen Aufwand nach sich ziehen:

Je größer das Projekt, desto mehr Anforderungen müssen Sie dokumentieren. Handelt es sich um ein besonders komplexes Produkt, so sind häufig weitere Arbeitsergebnisse wie Diagramme zum besseren Verständnis notwendig. Und wenn mehrere Personen für die Erstellung des Inhalts verantwortlich sind, entstehen leicht Ungereimtheiten oder mehrere Versionen des Dokuments.

Fehler im Lastenheft oder Ungenauigkeiten sind jedoch für Sie als Auftraggeber, der ein Lastenheft normalerweise erstellen muss, unvorteilhaft. Denn es dient Ihnen z.B. als Vertragsgrundlage, auf die Sie sich bei der späteren Abnahme des Produkts beziehen können.

Welche Inhalte in ein Lastenheft gehören und wie Sie das Lastenheft mit wenig Aufwand anfertigen können, will ich im heutigen Blog-Beitrag erläutern.

Sie müssen “nur” ein Dokument erstellen

In der Regel werden Lastenhefte in Form von Dokumenten erstellt; und in der Regel geschieht das folgendermaßen: Sie klicken auf das blaue Icon mit einem W auf dem Desktop und wenige Momente später sehen Sie es: das gefürchtete erste weiße Blatt eines MS Word-Dokuments – die Grundlage für das Lastenheft.

Da Sie kein Schriftsteller sind und Ihre Anforderungen wahrscheinlich irgendwo dokumentiert haben, sodass sie diese „nur“ noch in das Dokument übertragen müssen, ruft diese Situation vielleicht keine Panikstarre hervor, während Sie auf dieses anklagende weiße Blatt starren. Nein (ich stelle hier einfach mal Vermutungen an), Ihre Anforderungen haben Sie bereits in der Word-Datei niedergeschrieben und jetzt müssen Sie eine Kapitelstruktur festlegen, eine Einleitung schreiben, Formatierungen für die Überschriften und den Fließtext festlegen, ein Logo Ihres Unternehmens in die Kopfzeile einbinden, Bilder zurecht schieben und…

Puh, doch eine ganze Menge Arbeit. Schlau ist, wer mit einer Word-Vorlage des Unternehmens arbeitet, in der ein paar dieser Dinge bereits vordefiniert sind. Leider ist das häufig nicht der Fall. Abgesehen davon muss diese Vorlage ja erst einmal erstellt werden; und dann sind Anpassungen an die unterschiedlichen Projektkontexte notwendig; und höchstwahrscheinlich müssen Sie weitere Ergebnisse des Requirements Engineering wie Diagramme in das Dokument überführen. Wenn Sie mit einem speziellen Requirements Engineering-Tool arbeiten, anstatt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Werkzeuge, ist die Erstellung des Lastenhefts nur einen Klick entfernt. Glauben Sie nicht? Dann werfen Sie einen Blick auf unsere Lösung in objectiF RM.

Mit Standard zum Lastenheft

Fangen wir aber erst einmal damit an, welche Inhalte überhaupt in ein Lastenheft gehören. In der System- und Softwareentwicklung findet sich als Leitfaden u.a. der ISO/IEC/IEEE-Standard 29148:2011 mit dem Titel: “Systems and software engineering —Life cycle processes — Requirements engineering” [2]. Es ist ein englischer Standard und er spricht daher nicht explizit von Lastenheft. Allerdings nennt der Standard drei Dokumente, die im Verlauf des Requirements Engineering entstehen:

  • Stakeholder requirements specification document (StRS)
  • System requirements specification document (SysRS)
  • Software requirements specification document (SRS)

Das erste Dokument (StRS) beschreibt, warum eine Organisation das zu entwickelnde System braucht. Es dokumentiert u.a. Prozesse und Regeln, denen das System unterstehen wird, und die Anforderungen, die durch die Stakeholder definiert werden.

Das System Requirements Specification Document (SysRS) beschreibt den Zweck und Umfang des zu entwickelnden Systems und funktionale sowie nicht-funktionale Anforderungen. Daneben gibt es Informationen zur voraussichtlichen Umgebung des Systems mit den Schnittstellen, einer Beschreibung der Systemgrenzen sowie ggf. Modellen zur Visualisierung des Systemkontexts oder der Benutzungsszenarios. Auch ein Kapitel für die Verifikation der Anforderungen – Stichwort Testfälle – ist hier zu finden.

Das letzte Dokument (SRS) ähnelt dem SysRS – allerdings ist es speziell auf die Entwicklung einer Software ausgerichtet und nicht auf die eines ganzen Systems, das u.a. aus Software und Hardware besteht.

Ein Lastenheft lässt sich als eine Mischung dieser Dokumentarten sehen. Für das bessere Verständnis brauchen Sie Inhalte aus der Stakeholder Requirements Specification. Abhängig von dem zu entwickelnden Produkt legen Sie dann den Schwerpunkt auf eine SysRS oder eine SRS. Wir haben uns an diesem Standard orientiert und eine Lastenheft-Vorlage entwickelt, die Sie leicht für ihre Projekte einsetzen und natürlich anpassen können.

Die Vorlage für das Lastenheft in objectiF RM

objectiF RM bietet eine Vorlage, mit der Sie das Lastenheft als Word-Datei oder als PDF generieren können.

Die Struktur

Die Struktur des Dokuments sieht wie folgt aus:

objectiF RM Lastenheft-struktur

Struktur des Lastenhefts

Das erste Kapitel ist eine Einführung mit dem Zweck des Dokuments, den Stakeholdern des zu entwickelnden Systems, dem Systemumfang und einer Systemübersicht als Unterpunkte. Diese enthalten teilweise weitere Unterkapitel wie z.B. die Systemübersicht mit dem Systemkontext und den Schnittstellen.

Das wichtigste Kapitel ist natürlich Kapitel 2: “Anforderungen der Domäne”, das ich in der obigen Abbildung rot umrandet habe. Sie sehen dort ein Unterkapitel mit den Systemfunktionen und ein Unterkapitel mit den Anforderungen, die nach ihrem Zweck (Anforderungen an die Schnittstellen, funktionale Anforderungen, Qualitätsanforderungen etc.) gegliedert sind.

In diesem Kapitel finden Sie ebenfalls den wichtigen Abschnitt “Verifikation”. objectiF RM listet hier Ihre Testfälle, die Sie mit den Anforderungen verbunden haben.

Und wie es sich für ein gutes Dokument gehört, enthält das Lastenheft ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis.

Aber was machen Sie jetzt mit dieser Vorlage? Ihre Inhalte per Hand hineinschreiben? Nein. Wenn Sie Ihre gesamte Arbeit mit objectiF RM erledigen, dann übernimmt das Tool diese Aufgabe für Sie.

So geht’s

Die Lastenheft-Vorlage von objectiF RM bezieht die Inhalte aus Ihren Arbeitsergebnissen. Das bedeutet: Sie erfassen ihre Stakeholder, erstellen Systemkontextdiagramme und beschreiben die Schnittstellen und die Anforderungen an das System, ohne weiter an das Lastenheft zu denken. Denn die Kapitel und Abschnitte des Dokuments sind mit Ihren Arbeitsergebnissen “verbunden”. Stellen Sie sich vor, dort sind Platzhalter definiert. Sobald Sie Ergebnisse während des Requirements Engineering produzieren, können Sie diese Platzhalter damit ersetzen. Dafür müssen Sie einfach über einen Klick die Ergebnisse “hineinschreiben lassen”:

objectiF RM - Lastenheft Inhalt generieren

Inhalt des Lastenhefts generieren

Entweder öffnen Sie nun das Dokument als Word-Datei oder Sie sehen es sich als PDF an.

Ergebnis der Lastenheft Generierung als PDF

Ergebnis des Lastenhefts als PDF

Ändert sich etwas an Ihren Anforderungen oder anderen Arbeitsergebnissen, so brauchen Sie einfach nur das Lastenheft neu zu generieren.

Natürlich lässt sich die Vorlage an Ihren Corporate Design-Guide anpassen und Kapitel können Sie flexibel herausnehmen oder hinzufügen. Auf diese Weise erstellen Sie schnell und einfach Lastenhefte im selben Layout für unterschiedliche Projekte und Kontexte.

Nutzen Sie die kostenlose Trial Edition von objectiF RM und generieren Sie sich gleich selbst ein Lastenheft. Viel Spaß!

 

Hinweise:

[1]: Natürlich war es eine deutsche Norm: DIN 69901-5

[2]: INTERNATIONAL STANDARD (2011): ISO/IEC/IEEE 29148. Systems and software engineering — Life cycle processes — Requirements engineering.