Digitalisierung – Die schnellste Revolution aller Zeiten

von | 17.07.2017 | Wissen

Einblicke in die digitale Welt

Innovative Plattformen und Geschäftsmodelle, sekundenschneller Datenaustausch, revolutionäre Grundsätze – der digitale Wandel ist allumfassend, allgegenwärtig und verändert Markt, Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Die digitale Revolution bringt eine Vielzahl an Chancen für Sie und Ihr Unternehmen mit sich, zwingt Sie aber gleichzeitig Ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu prüfen und weiterzuentwickeln.

Warum kann man ohne Zweifel von der schnellsten Revolution aller Zeiten sprechen?

Die Basis der Revolution liegt im Leistungsvermögen der Computer- und Informationstechnologie. Computer, Laptops & Co. können immer mehr, werden immer kleiner und schneller. Laut dem Moore’schen Gesetz verdoppeln sich die Leistungen neuer Computerchips im Mittel etwa alle 20 Monate. Auch die Datenübertragungsraten sind in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Viele Geschäftsmodelle wären vor einigen Jahren schlicht an der Geschwindigkeit der Rechner und der Datenübertragung gescheitert.

Die Dynamik dieser Entwicklung zeigt sich auch in der Akzeptanz von neuen Geräten und Serviceangeboten. Während das Radio und das Fernsehen noch 38 bzw. 13 Jahre benötigten, um 50 Mio. Nutzer zu gewinnen, gelang dies dem Internet in vier Jahren. Facebook versammelte bereits nach ungefähr einem Jahr eine Nutzergemeinde von 50 Mio. und bei WhatsApp hat es lediglich zwei Monate gedauert.

Die stärkste Waffe der Revolution: das Smartphone

Gerade mal vor 10 Jahren wurde das erste iPhone auf den Markt gebracht. Seitdem hat sich viel verändert. Das Smartphone spielt in unserem Alltag eine nicht mehr wegzudenkende Rolle. 96% der unter 30-Jährigen können sich im Urlaub nicht vom Smartphone trennen und 43% aller deutschen Smartphone-User würden eher auf Bier als auf ihr Smartphone verzichten.

Neben all den privaten Nutzungsoptionen wird das Smartphone von den Menschen immer häufiger auch im Beruf oder für geschäftliche Zwecke genutzt. So übermitteln Kunden ihre Arztrechnung oder ihre Rezepte per App direkt an ihre Versicherung oder lassen sich per Videotelefonie von ihrer Bank oder ihrem Handwerker beraten – und sind damit stets erreichbar für Unternehmen.

Neue Mit- und Gegenspieler

Neben der Geschwindigkeit der Entwicklung überraschen teilweise die neuen Wettbewerber und Kooperationspartner in verschiedenen, auch alteingesessenen Branchen. Wer hätte erwartet, dass ein neues Unternehmen wie PayPal in das Geschäft der Banken und Kreditkartenunternehmen eintritt? Gleiches gilt für Tesla, Google (Alphabet) oder bald auch Apple für die Automobilindustrie. Die vier großen Player Google, Apple, Facebook und Amazon, die GAFAs, drängen in eine Vielzahl an Branchen, wie Handel, Smart Home, Mobile Payment, Gesundheit oder Mobilität bzw. autonomes Fahren. Sicherlich könnten Sie diese Unternehmen als Bedrohung wahrnehmen. Schließlich überschreitet ihre Marktkapitalisierung deutlich die aller 30 Dax-Unternehmen zusammen. Anderseits können Sie auch von ihnen lernen. So gelingt es bspw. Amazon, den Kunden durch den „Amazon Dash Button“ frühzeitig in den Bestellvorgang zu integrieren und somit stärker an sich zu binden.

Durch die 5 Cs Geld verdienen

Viele Unternehmen konzentrieren sich bei der Digitalisierung stark auf die technische Perspektive. Die Frage nach den Erlösmodellen wird dagegen häufig vernachlässigt. Diese müssen teilweise überarbeitet oder gar neu entwickelt werden, sodass der Nutzen der Digitalisierung nicht nur bei den Kunden hängen bleibt, sondern auch bei Ihnen, den Unternehme(r)n. Die Antwort auf die Frage „Wie sollen die Einnahmen in der digitalen Welt erzielt werden?“ lässt sich über eine Analyse der elektronischen Geschäftsmodelle beantworten. In der digitalen Wirtschaft werden fünf typische Geschäftskonzepte identifiziert, unter die sich weitgehend alle derzeit verfolgten Varianten einordnen lassen:

  • Content
    Dieses Geschäftskonzept zielt auf die einfache, bequeme, visuell ansprechend aufbereitete und online zugängliche Präsentation und Handhabung von informierenden, unterhaltenden oder bildenden Inhalten ab, bspw. auf einer eigenen Homepage oder Plattform. Die Erlöse werden bei diesem Konzepttyp entweder direkt (z. B. Verkauf von Premiuminhalten) oder indirekt (z. B. Werbung bei Inhaltspräsentation) erzielt. Auch Kombinationen sind möglich. So hat eine Vielzahl von Tageszeitungen die sogenannte „Metered Paywall“ eingeführt. Pro Monat kann eine definierte Anzahl von Beiträgen kostenlos gelesen werden. Möchte der Nutzer jedoch weitere Artikel lesen, benötigt er ein digitales Abonnement.
  • Commerce
    Das Geschäftskonzept umfasst sämtliche Phasen eines Kaufabschlusses von der Anbahnung über die Aushandlung bis zur Abwicklung. Die traditionellen Transaktionsphasen bspw. bei Banken, Versicherungen, Reiseanbietern oder Händlern werden somit elektronisch unterstützt, ergänzt oder ersetzt. Ziel ist die einfache, bequeme und schnelle Abwicklung von Verkaufsprozessen. Die Erlöse werden bei diesem Konzepttyp wiederum über direkte (z.B. Verkauf von Produkten und Dienstleistungen) oder aber indirekte (z.B. Werbung) erzielt.
  • Context
    Das Modell zeichnet sich durch die Klassifizierung, Systematisierung und Zusammenführung von verfügbaren Informationen und Leistungen der digitalen Welt aus. Hierunter fallen Anbieter für Suchmaschinen wie Google oder Webkataloge und Bookmarking. Ziel dabei ist es, eine Verbesserung der Markttransparenz und Orientierung für den Nutzer zu erreichen. Die Erlöse werden direkt bspw. durch Gebühren für die Aufnahme oder Platzierung von Inhalten oder auch indirekt durch Werbung erworben.
  • Communication
    Hierbei wird die Interaktion von Akteuren in Netzwerken ermöglicht bzw. unterstützt. Als Beispiel können hier in erster Linie E-Communities, wie facebook.com und gutefrage.net genannt werden. Erlöse werden über Verbindungsgebühren oder Werbung generiert.
  • Connection
    Plattformbetreiber ermöglichen und organisieren die Interaktion von Anbietern und Kunden. Sie verbinden beide miteinander. Das Geschäftsmodell basiert auf den Regeln zweiseitiger Märkte. So werden Erlöse entweder nur bei den Anbietern, nur den Kunden oder auch bei beiden generiert (bspw. direkte Vermittlungsgebühren bei eBay) oder wiederum durch indirekte Ansätze (z.B. Werbung, Statistiken, Cross-Selling).

Das Geschäftsmodell ‚Connection‘ ist aktuell in aller Munde. Immer mehr Plattformanbieter bringen Hersteller und Verbraucher auf Börsen zusammen. Ihre wertvollsten Vermögenswerte sind Bekanntheit, Daten und Interaktionen. Diese Elemente bilden den Wettbewerbsvorteil dieser Unternehmen. Sie haben sich zwischen die Anbieter und Nachfrager geschoben. Anbieter müssen auf den Plattformen aktiv sein, da die Kunden dort nach Leistungen suchen. Restaurants mit einem eigenen Lieferservice müssen bei Lieferando, Lieferheld & Co gelistet sein. Plattform-Unternehmen wie Uber oder Airbnb gewinnen stetig Marktanteile und stellen ihre jeweilige Branche auf den Kopf. Traditionelle Unternehmen können diese Entwicklung ebenfalls für sich nutzen und sollten versuchen, Plattformen anzubieten und die damit verbundenen neuen Strategieregeln zu lernen. Es geht darum Ressourcen zu organisieren und nicht zu kontrollieren, extern zu interagieren und nicht nur intern zu optimieren und nicht nur den Kundenwert im Blick zu haben sondern den Wert des gesamten Ökosystems.

Waren zu Beginn der Digitalisierung die Geschäftskonzepte Content, Commerce, Context, Communication und Connection häufig noch in „Reinform“ aufzufinden, so werden heute überwiegend Mischkonzepte (sog. hybride Geschäftskonzepte) genutzt. Ziele dabei sind vor allem Verbundeffekte, multiple Kundenbindung, Preisbündelung oder Expansion in neue Geschäftsfelder.

Fazit

Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung aber auch eine Chance. Sie bringt tiefgreifende, teilweise schleichende Veränderungen mit sich und verändert unsere Lebens- und Arbeitsweise nachhaltig.

Gerade für Sie und Ihr Unternehmen ist es daher umso wichtiger, sich mit der Digitalisierung und den Veränderungen, die sie mit sich bringt auseinanderzusetzen, die Entwicklung des Marktes zu beobachten und die eigenen Erlösmodelle zu überarbeiten und weiterzuentwickeln. Neben der strategischen Ebene sind außerdem weitere Fragen zu beantworten: Über welche digitalen Kanäle kommunizieren Sie mit Ihren Kunden? Facebook, Xing, Instagram oder bspw. auch über einen Live-Chat-Support? Wie integrieren Sie den Kunden in Ihre Prozesse (Schlagwort: Customer Integration)? Wie konzipieren Sie Ihre Produkte und Services? Mass Customization oder Curated Shopping? Nutzen Sie einen Freemium-Ansatz? Nutzen Sie Dynamic Pricing? Falls ja, was sind die Preistreiber?

Wichtig ist, dass Sie bei alle dem nicht vergessen, dass die Digitalisierung das ganze Unternehmen betrifft und es von zentraler Bedeutung ist sowohl die eigenen Mitarbeiter als auch die Kunden mitzunehmen und zu begleiten.